Tahrir-Platz in Kairo: Geschichte, Sehenswürdigkeiten und Besuchertipps
Der Tahrir-Platz, arabisch Midan al-Tahrir („Platz der Befreiung“), ist die belebteste Kreuzung im Zentrum Kairos und wohl der bekannteste öffentliche Ort des modernen Ägypten. Er liegt zwischen der Nil-Corniche und den eleganten Boulevards der Innenstadt aus dem 19. Jahrhundert, und für viele Reisende beginnt hier die eigentliche Begegnung mit der Stadt. An der Nordseite steht das lachsrosa Ägyptische Museum, nach Westen führt die Qasr-El-Nil-Brücke Richtung Zamalek, und seit 2020 ragt in der Mitte ein pharaonischer Obelisk auf. Aus dem Autofenster wirkt der Platz wie ein riesiger Kreisverkehr. Wer seine Geschichte kennt, entdeckt darin einen der spannendsten Orte Kairos.
Entstanden ist der Platz im Rahmen der großen Modernisierungspläne von Khedive Ismail in den 1860er- und 1870er-Jahren. Nach dem Vorbild von Haussmanns Paris ließ er am Nil ein neues Viertel im europäischen Stil anlegen, mit breiten Alleen, Gärten und prachtvollen Fassaden. Der Platz an dessen Westrand erhielt ihm zu Ehren den Namen Midan al-Ismailiyya. Die Bezeichnung „Tahrir“ verbreitete sich nach der Revolution von 1919 gegen die britische Herrschaft und wurde nach der Revolution von 1952, die die Monarchie beendete, offiziell. Seitdem ist der Platz eng mit dem politischen Leben Ägyptens verbunden: Kundgebungen, Feiern und Proteste fanden immer wieder hier statt.
Das Ägyptische Museum ist der Mittelpunkt des Platzes. Es wurde 1902 in einem neoklassizistischen Bau des französischen Architekten Marcel Dourgnon eröffnet und gehört zu den ältesten eigens errichteten archäologischen Museen im Nahen Osten. Vor dem Besuch sollten Sie zwei wichtige Änderungen kennen. Die Königsmumien zogen im April 2021 mit der Goldenen Parade der Pharaonen, die genau hier am Tahrir-Platz startete, ins Nationalmuseum der Ägyptischen Zivilisation. Die Schätze des Tutanchamun sind heute im Grand Egyptian Museum in Gizeh zu sehen. Trotzdem bewahrt das alte Museum eine gewaltige Sammlung aus Jahrtausenden, und seine Holzvitrinen und über hundert Jahre alten Säle haben eine Atmosphäre, die kein neues Museum nachahmen kann.
Wer einmal rund um den Platz geht, liest darin wie in einem Geschichtsbuch. Im Süden erhebt sich der Mogamma, der 1949 fertiggestellte riesige Verwaltungskomplex, in dem Generationen von Ägyptern ihre Behördengänge erledigten. Die Ämter sind inzwischen in die neue Verwaltungshauptstadt umgezogen, und das Gebäude soll umgestaltet werden. Gleich daneben stehen die Omar-Makram-Moschee und die Statue von Omar Makram, einem Anführer des Kairoer Volkswiderstands gegen die französische Besatzung. Auf der Westseite liegen der Sitz der Arabischen Liga und das Nile Ritz-Carlton, das 1959 als Nile Hilton eröffnete. Östlich befindet sich der historische Tahrir-Campus der Amerikanischen Universität in Kairo, und nur wenige Schritte entfernt bewachen Bronzelöwen die Qasr-El-Nil-Brücke.
2011 wurde der Platz weltweit bekannt. Am 25. Januar begannen die Proteste, und 18 Tage lang füllten Hunderttausende Ägypter den Tahrir-Platz, bis Präsident Hosni Mubarak am 11. Februar 2011 zurücktrat. Die Bilder gingen um die Welt, und der Name „Tahrir“ wurde zum Symbol für Volksprotest. Heute ist der Platz ruhig und vom alltäglichen Verkehr geprägt. Viele Ägypter erinnern sich noch sehr bewegt an diese Tage, deshalb ist das Thema am besten mit Neugier und Respekt anzusprechen.
Eine umfassende Neugestaltung, die 2020 abgeschlossen wurde, gab dem Platz sein heutiges Gesicht. In der Mitte steht ein rund 19 Meter hoher Obelisk Ramses' II., der aus San el-Hagar, dem antiken Tanis im Nildelta, hierher gebracht wurde. Um seinen Sockel wachen vier widderköpfige Sphingen aus dem Karnak-Tempel in Luxor. Neues Pflaster, Grünflächen, einheitliche Fassaden und eine stimmungsvolle Beleuchtung machten den Tahrir-Platz zu einem angenehmen offenen Raum. Besonders eindrucksvoll ist er am Abend, wenn der beleuchtete Obelisk vor der Kulisse der Innenstadt strahlt.
Der Tahrir-Platz ist leicht erreichbar. Die Metrostation Sadat der Linien 1 und 2 liegt direkt darunter, und die Pyramiden von Gizeh sind etwa 20 km entfernt, je nach Verkehr 45 Minuten bis deutlich über eine Stunde mit dem Auto. Planen Sie 30 bis 60 Minuten für den Platz und zwei bis drei Stunden für das Ägyptische Museum ein. Am angenehmsten sind der frühe Morgen und der frühe Abend. Überqueren Sie die Straßen nur an markierten Übergängen, denn der Verkehr ist schnell. Fotografieren Sie keine Polizisten oder Sicherheitsgebäude und denken Sie daran, dass Drohnen eine offizielle Genehmigung brauchen. Von hier aus bummeln Sie zu den Cafés der Talaat-Harb-Straße, unternehmen eine Feluken-Fahrt auf dem Nil oder fahren weiter zum Khan el-Khalili. Bei einer privaten Kairo-Tour mit Aten Tours kümmern sich Ihr deutschsprachiger Ägyptologe als Reiseleiter und Ihr Fahrer um alles, und Sie genießen die Geschichten hinter jedem Gebäude rund um den Platz.